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Gerd von Seggern © 2013 KrümelDino NAMASTE; von mir soll Gutes ausgehen . . . . . ▲▲▲▲

Lebensjahreszeiten meines Lebens

Das neue Jahr hatte erst gerade begonnen. Der lange prägende Winter neigte sich dem Ende zu, nun konnte es nicht mehr lange dauern. Die Geburt eines kleinen Kindes bahnte sich im Vorfrühling an. Bald musste es so weit sein, meine Mutter verspürte es.


Mein Frühling als Kind im Werden und Wachsen war toll: er war bunt, er war fröhlich, er hat Spaß und Freude bereitet. Nichts konnte mich erschüttern. Die Kräfte sprießten und sprießten und bald kam die Einschulung. Gefahren prallten an mir wie von geleiteter Hand ab. Im schulischen Werdegang dann fortgeschritten, kam etwas auf mich zu, was mich doch nachhaltig verändern sollte: Die erquickende jugendliche Kraftquelle des Frühsommers zeigte mir Veränderungen an mir selbst, und erstmalig interessierte ich mich für die anderen wunderschönen Pflanzen. Ein erstes tiefes Fühlen entstand in der treibenden Blüte der Liebe. Sie begleitete mich über einen langen Zeitraum, doch irgendwann lenkte das Schicksal eine andere wunderschöne Blüte mir an meine Seite, hin zum Blumenstrauß der Ehe.


Und es war Sommer geworden. Das Leben war so richtig auf vollen Touren. Wir kamen einander näher, wie man näher gar nicht anders kommen kann. Im Hochsommer unserer Liebe entsprangen unsere jungen Knospen zu blühenden Ablegern. Sie sollten uns lange lange begleiten. So vergingen all die gemeinsamen und schönen Jahre, bis ich feststellte, dass es mit dem Sommer immer weniger wurde. Er wich nach und nach dahin. Er brachte zwar immer noch Sonnenschein und viele bunte Erlebnisse, aber die Temperaturen gingen so allmählich runter. Das wird von uns Menschen dann Spätsommer genannt. Eigentlich kann man an dieser Stelle so rund um die 40 von einer Reife sprechen.


Die Zeit schritt voran und es passierte dass, woran keiner in seinen jungen Jahren so recht darüber nachdenkt: Die ersten Wehwehchen und sogar nachlassende Kräfte deuteten an, dass der Herbst des Lebens nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Ein guter ausgereifter Wein des Wissens und der Erfahrungen kann schon etwas schönes sein, doch wenn die Kräfte langsam dahinschwinden, vermochte ich schon damals nicht so recht daran denken, wie es im eigenen Leben alles einmal nachlassen könnte. Also wirkte ich dagegen an. Gesünderes Essen, mehr Bewegung, weniger Schädliches und viel Trinken.


Doch bei meinem so sehr geliebten Spaziergang im Wald bemerkte ich, dass der Herbst anbrach. Die Blätter der Seele verfärbten meine Gedanken in Nachdenklichkeit und Traurigkeit. Mein Renteneintritt stand bevor, da atmete ich erst einmal tief durch, und bemerkte – wieder einmal bei meinem Waldspaziergang – dass der Goldener Oktober da war. Wunderschöne ockerfarbene Blätter geleiteten der traumhaft scheinenden Lebenssonne zum Trotze herunter aus ihrer Verankerung des Baumes. Ich bemerkte, dass auch mir ein wenig Laub abhanden gekommen war. Und die Farbe meiner Blätter war auch schon wieder leicht gewichen, und verfärbte sich doch tatsächlich in etwas grau. Trotz all meiner durchaus zehrenden Gedanken, die ich nicht mehr loslassen konnte, war ich damals voller Hoffnung und Zuversicht, dass meine Saison des Lebens auch weiterhin gut verlaufen möge.

Ja, so mancher Sturm von Krankheit widerfuhr mir, zog aber dann zum Glück auch wieder an mir vorbei. Sehr ernsthafte Schicksalsschläge vernahm ich zu meiner Dankbarkeit nicht an mir persönlich, doch wenn sie anderen widerfuhren, erlahmte ich in fesselnde Gedanken, wie schrecklich doch auch alles sein kann. Ja, wie schnell es auch zu Ende gehen könnte.


Nun, da mein Stamm des Lebens gebrechlich geworden war, blickte ich mit Dankbarkeit und Freude zurück, für all dass, was ich in meinem Garten des Lebens erleben durfte.

Doch leider bemerkte ich, dass eine weitere Jahreszeit sich ankündigte. Sie ließ mich erstmals in meinem Dasein Dunkelheit und Kälte verspüren. Die Kerze zur Adventszeit zeigte mir an, dass die Dunkelheit meine Seele touchierte, dass auch mein Kerzenwachs langsam abbrannte.


Und der erste Hauch von Kälte, der mich berührte war der Verlust von guten gleichaltrigen Freunden, die mich all mein Leben lang mehr oder weniger begleiteten. Der Hauch war ein erster Hauch des sich langsam anbahnenden Winters. Es wurde ruhiger und ruhiger in meiner Umgebung. Ja schon ein wenig gespenstisch wirkend. Aber wer sollte mich denn auch schon besuchen kommen ?. Wer sollte sich mit mir schon unterhalten wollen ?. Ja, es wurde einsam, und noch schlimmer: Diese Einsamkeit nahm zu. Das die Menschen es doch tatsächlich bis zu meinem heutigen persönlichen Alterswinter noch immer nicht geschafft haben, die mitmenschliche Wärme wieder heranzutragen, zog mich herunter. Doch als ich wegen meiner nachlassenden Kräfte beinahe gestürzt war, passierte etwas, worauf ich immer gehofft hatte, aber andererseits nicht mehr mit gerechnet hatte: Die Tür ging auf. Besuch ?. Komme ich jetzt aufs Abstellgleich ?. Holen die mich jetzt ab ?. Was passiert denn nun bloß ?. Nein, ich will nicht !.


Doch obwohl es Abend werden wollte in meinem Leben, durchströmte sich mein Körper voller Freude: Meine beiden lieben Kinder standen da. Hand in Hand. Sie kamen auf mich zu, reichten mir die Hand und bei Gesang und Instrument sagten sie zu mir: Fröhliche Weihnachten !. Die Zeit war vergangen und ich hatte es gar nicht weiter bemerkt. Ja, Weihnachten war gekommen, und inmitten des kalten Winters des Alterns wärmten wir uns an bei Kerzen und Tannenzweigen, in Freude und bei leckeren Sachen auf.


Das alles ist nun schon wieder eine ganze Weile her. Und nun stehe ich leider und unwiederkehrbar auf der letzten Stufe der Lebenstreppe. Ich muss nun langsam zum Schluss kommen, denn die Kälte des Lebens wandelte sich schon seit einigen Wochen in erkennbar gefrierende Kälte des Ablebens.

 

Was soll ich Euch nun noch sagen ?.

Meine Saison des Lebens geht halt zu Ende. Ich kann daran jetzt doch gar nichts mehr verändern. Ich kann es doch so nur noch hinnehmen, und auf eine fröhliche Reinkarnation hoffen, die mir eine neue tolle Chance des Lebens gewähren möge, ohne Krieg, ohne Gewalt, mit viel Miteinander und dem Vorleben und Erleben von Guten Werten.


Und mit Freude blicke ich nun an diesem letzten Schritt meines Lebens angekommen zurück, und vermag Euch nur noch eines anzuraten: Verschwendet Eure Zeit nicht mit so unseligen Inhalten wie Streit, Habsucht und Geld.


Gebt anderen das, wozu ihr alle - jeder für sich - in der Lage seid:

Lasst Gutes von Euch ausgehen !.


Tschüß. Macht´s gut. Ich werde gerufen.

Ich möchte meine mir noch verbleibende

restliche kurze Zeit für mich sein.

Euch von Herzen alles Gute !.


© Gerd von Seggern, 2010-12-08

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